New York Marathon,1997 und 1999

 

Adrenalin pur!!! Tanja (links) und ich finishen das erste Mal überglücklich den New York Marathon am 2.11.1997. Der “Run in the Rain” verlangte uns ganz schön was ab. Wolkenbruchartige Regenfälle erschwerten die Bedingungen um ein vielfaches. Doch wir hielten durch und wurden dafür  im Central Park mit einem Riesen Adrenalinschub belohnt.

Der Start auf der Verrezano Bridge in Staten Island. Hier treffen sich die Läufer um gemeinsam das Erlebnis New York Marathon zu erleben. Die 60.000 Läuferfüße bringen die Brücke beim Start regelrecht ins Schwanken.  Die Stimmung beim Start ist gigantisch und wird mir für immer unvergessen bleiben.

Am 7.11.1999 finishten Tanja (links) und ich ein zweites Mal  in New York. Noch einmal durften wir dieses Wahnsinns -Spektakel erleben und genossen den Lauf mit seiner einzigartigen Atmosphäre in vollen Zügen. Wieder wurden wir im Central Park mit einem  gewaltigen Adrenalinschub belohnt, der uns die Strapazen der letzten Kilometer schnell vergessen lies.

 

Bericht aus der Oberhessischen Zeitung vom 26. November 1999.

Im Jubel der Massen lief man wie im Trance

Am Sonntag, dem” Marathontag”  hieß es früh aufstehen. Um 7.30 Uhr war Abfahrt mit extra geschharterten Bussen vom New York Road Runners Club zum Start auf “Staten Island”. Dort wurden die Teilnehmer einzeln eingecheckt, bevor sie sich in in einem extra für sie angelegten Areal einfanden, wo noch reichlich Zeit war, um zu frühstücken, den Kleiderbeutel abzugeben, und sich zu einem der drei Startblöcke zu begeben.

Der Startschuss wurde mit einer Kanone förmlich zelebriert. Etwa 15 Hubschrauber kreisten zu diesem Zeitpunkt über dem Läuferpulk.Über zwei Etagen ging es  auf der unter 60000 Füßen vibrierenden Verrezano- Bridge über den Hudson River. Innerhalb der ersten Meile(1,6 km) waren etwa 180 Yard(160m) Höhenunterschied zu bewältigen, bevor man in den zweiten Stadtteil Brooklyn einlief.Hier machten sich zum ersten Mal die Zuschauer bemerkbar.

Gehörschutz war angebracht

Über einige Kilometer war der Geräuschpegel so hoch, dass fast schon Gehörschutz angebracht gewesen wäre. Hier wurden die ersten schwer behinderten Teilnehmer überholt, die sich schon bei unserer Teilnahme im vorletzten Jahr Respekt verdienten. Auf den nächsten Kilometern ging es u.a. auch durch ein orthodoxes Judenviertel, in dem man glauben konnte, hier wäre die Zeit vor einigen hundert Jahren stehen geblieben. Von den streng gläubig erzogenen Menschen wurde das Massenspektakel mit keinem Blick zur Kenntnis genommen. Man ging seinen Sonntagsgeschäften wie immer nach.

Halbzeit war in Queens

Am Fuße der nächsten Brücke war die Halbmarathon- Distanz geschafft. Es ging nach Queens hinein. Jetzt lag der wesentlich anspruchsvollere zweite Teil vor den Läufern. Über die Queensborough Bridge mit fast zehn Prozent Steigung ging es erneut über den Hudson River, diesmal nach Manhattan hinein. Bei Kilometer 25 wurden die Marathonis mit ohrenbetäubenden Lärm auf der First Avenue begrüßt. Hier hatte man auf der sechsspurigen Straße einen fünf Kilometer weiten Blick nach vorne-zu sehen waren nur Läufer. Die First Avenue war vom Streckenprofil sehr wellig und bereitete den Teilnehmern schonend auf den Rest des Marathons vor. Am Ende der Straße konnte man enen Blick zurückwerfen, um zu sehen wie viele Läufer noch folgten- ein Ende der Läufermassen war aber nicht abzusehen.

Blick auf Hudson riskiert

Von Manhattan aus ging es über eine Brücke, auf der extra wegen des Laufes ein Teppich verlegt worden war. Wenn man nicht gerade auf diesem lief, konnte man durch die Stahltrossen einen Blick in den Hudson River riskieren. Dazu waren allerdings gute Nerven gefragt, denn die Brücke bebte unter der Läuferschlange. Eine kleine Schleife durch die Bronx (u.a. Harlem) und dann ging es erneut nach Manhattan hinein- nun zum ersten Mal in den Central Park.

Die Zuschauer halfen

Hier ging es die nächsten vier Kilometer wieder sehr anspruchsvoll zur Sache -eni stetiges Auf und Ab, so als ob man immer wieder einen Deich hoch und runter laufen würde. Unzählige Zuschauer beiderseits der Straße halfen den Läufern, den “inneren Schweinehund” zu besiegen und pulverisierten die Gedanken an Aufgabe. Es folgte nun noch ein Kilometer über die 67. Street, bevor das Ziel im Central Park wartete. Jetzt ging es nur noch bergauf. Schon mehrere hundert Meter vor dem Ziel läuteten die bis auf den letzten Platz gefüllten Tribünen auf beiden Seiten der Strecke den Endspurt ein. Im Jubel der Massen lief man wie im Trance. Vergessen waren die Strapazen der 42.195 m. Eine Medaille und die Gratulation der unzähligen Helfer versüßten die Anstrengungen im Ziel zusätzlich.

Laufbegleiter schirmen ab

Bei Sonnenschein, aber sehr kalten Temperaturen um die sechs Grad und stark böigem Wind hatte der Lauf in diesem Jahr unter relativ guten Bedingungen stattgefunden. Im vorletzten Jahr (1997) fand der Marathon bei strömenden Regen statt, und das Wasser stand teilweise knöcheltief auf den Straßen.

Aufgefallen sind immer wieder schwer behinderte Teilnehmer. Fehlende Gliedmaßen, stark eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten  oder Blindheit beeinträchtigen ihr Leben, hindern sie jedoch nicht an der Marathon- Teilnahme. Um ihnen das “Bad in der Menge”  zu ermöglichen, starten sie bereits zwei Stunden vor den anderen Athleten. Der “Achilles track club”” kümmert sich um die behinderten Sportler, indem ihnen Laufbegleiter zur Seite gestellt werden. Diese führen Blinde, begleiten sehr langsame Läufer und schirmen sie nach hinten ab, um Unfälle zu vermeiden.

Letzter nach 35 Stunden im Ziel

Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen ist das Ziel in New York bis zum letzten Läufer offen- in Deutschland wird das Ziel vielfach nach fünfeinhalb Stunden geschlossen. Nach sechseinhalb Stunden hatten über 30000 Läufer das Ziel erreicht. Der letzte Teilnehmer wurde aber erst nach 35 Stunden registriert. Dies ist auch ein Grund, die Zeit als zweitrangig zu betrachten. In New York fragt sowieso niemand nach der gelaufenen Zeit, sondern nur: ”Bist Du gelaufen?” Am nächsten Tag konnten wir dann bei dieser Frage auf die New York Times verweisen, die auch unsere Platzierungen abgedruckt hatte.

Die beste Platzierung unserer Gruppe erreichte Thomas mit Rang 390 und einer Endzeit von 2:53.27 Stunden. Unsere weiteren Platzierungen: Christian mit 3:35,57 Stunden, Rang 4820; Matthias 3:47,53 Stunden, Rang 7068, sowie ich mit 4:53. 09 Stunden auf Rang 23313 und Tanja mit 4:53.10 Stunden auf Rang 23314.

Fazit:

Der New York Marathon ist ein Erlebnis der Superlative. Das Abklatschen der Kids am Straßenrand, das Verteilen von Bonbons, Kaugummis und Lollis, Begeisterungsstürme der Zuschauer, so laut und so begeistert, dass man viele Kilometer eigentlich Ohropax braucht und die große Akzeptanz auch der anderen Läufer gegenüber Behinderten bleiben unvergessen- abgesehen von der multikulturellen Stadt, die allein schon ein Erlebnis ist.

 

Das copyright von diesem Bericht besitzen aussschließlich Nicole und Matthias Krist. Sollte jemand an diesem Bericht Interesse haben, melde er sich bitte unter folgender email Adresse: groominginn@gmx.net